Für zwei unserer Klassen begann der heutige Tag mit einer eher unerfreulichen Nachricht: Der Wecker klingelte eine Stunde früher. Während in den anderen Häusern also noch etwas länger geschlafen werden durfte, hieß es hier bereits frühstücken, Sachen packen, Fahrräder satteln – und los.

Das Ziel war Nes. Genauer gesagt der dortige Anleger, an dem mit der WL35 Brakzand ein ziemlich besonderes Gefährt auf uns wartete. Nach all den Fahrradkilometern, die inzwischen auf Ameland zurückgelegt wurden, durfte das Fortbewegungsmittel für die nächsten Stunden nämlich einmal gewechselt werden.

Und die Brakzand hat schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel als ihre heutigen Passagiere: Das Schiff wurde bereits 1928 gebaut und war ursprünglich als Fähre unterwegs. Heute startet es von Nes aus zu Expeditionen ins Wattenmeer. Für unsere Schülerinnen und Schüler hieß es also: Fahrräder abstellen, an Bord gehen und Leinen los.
Bei gutem Wetter ging es hinaus aufs Wasser und schon bald konnten die ersten Bewohner entdeckt werden, derentwegen wir überhaupt aufgebrochen waren: Robben! Auf den Sandbänken und im Wasser ließen sie sich beobachten – wobei nicht abschließend geklärt werden konnte, wer hier eigentlich wen neugieriger betrachtete.

Doch beim bloßen Zuschauen blieb es nicht. Die Besatzung der Brakzand ließ ein Schleppnetz zu Wasser und holte anschließend einen kleinen Ausschnitt dessen an Deck, was unter der Wasseroberfläche lebt. Der Fang wurde gemeinsam begutachtet und untersucht. Fische, Garnelen, Krebse und andere Meeresbewohner können bei diesen Fängen im Netz landen und wurden von der Besatzung erklärt. Anschließend ging es für die unfreiwilligen Forschungsobjekte selbstverständlich wieder zurück in die Waddenzee.

Damit wurde aus einer einfachen Bootsfahrt tatsächlich eine kleine Expedition ins Weltnaturerbe Wattenmeer – inklusive Fahrtwind, Robben und Biologieunterricht, bei dem ausnahmsweise niemand ein Schulbuch aufschlagen musste.

Während die einen auf See unterwegs waren, hatten die beiden anderen Klassen zunächst festen Boden unter den Füßen. Sie verbrachten ihren Vormittag in Nes und konnten den Ort erkunden, bevor sich schließlich alle auf dem Abenteuerspielplatz wiedertrafen.

Und dort zeigte sich schnell, dass „Wasserspielplatz“ keineswegs nur eine unverbindliche Bezeichnung ist.

Bei blauem Himmel und gutem Wetter wurde geklettert, getobt, ausprobiert und vor allem viel gemeinsam gespielt. Einige Schülerinnen und Schüler testeten dabei offenbar besonders gewissenhaft, wie nah man dem Wasser kommen kann, ohne nass zu werden.

Das Ergebnis dieses Experiments fiel unterschiedlich aus.
Zum Glück bot das Wetter beste Voraussetzungen, um kleinere Fehleinschätzungen bei der persönlichen Trockenheitsplanung gelassen hinzunehmen.

Anschließend hieß es Gruppenwechsel: Für diejenigen, die den Vormittag in Nes verbracht hatten, ging es nun an Bord der Brakzand und hinaus zu den Robbenbänken. Die anderen konnten nach ihrer Expedition den Nachmittag an Land verbringen. So kamen am Ende alle in den Genuss von Nes, Spielplatz, Fahrradtour und einer ordentlichen Portion Waddenzee.

Nach so viel Fahrradfahren, Seeluft, Robbenbeobachtung und Wasserspielplatz hätte man nun eigentlich einen ruhigen Abend erwarten können.

Eigentlich.

Denn am Abend wartete noch ein weiterer Programmpunkt: Party!

Also wurde aus dem Fahrtwind des Tages am Abend kurzerhand Bewegung auf der Tanzfläche. Es wurde getanzt, mitgesungen und gemeinsam gefeiert – und spätestens jetzt dürften auch diejenigen ihre letzten Energiereserven verbraucht haben, die morgens noch behauptet hatten, überhaupt nicht müde zu sein.

Ein langer Tag ging damit zu Ende: zu Wasser, zu Land und schließlich auf der Tanzfläche.

Und für zwei Klassen dürfte morgen vor allem eine Nachricht wichtig sein:

Der Wecker darf wieder eine Stunde später klingeln.

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Zu diesem Artikel steht eine Fotogalerie zur Verfügung: Tag 9: Plattfisch, Pommes, Party

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